Infobrief vom Helferkreis – November

Zzu Beginn der Adventszeit möchten wir euch heute noch einmal einen Rück- und Ausblick über die Geschehnissen der letzten Monate geben.
Rückblick
Der Helferkreis feierte im November seinen 2. Geburtstag!! Herzlichen Glückwunsch an uns alle. Vor ziemlich genau zwei Jahren stellten sich Regine Schuster und Christa Rieß nach einer turbulenten Bürgerversammlung vor die Anwesenden und luden alle Interessierten ein, sich für den neuen Helferkreis zu engagieren. In diesen zwei Jahren haben wir viel erreicht und so manche Frustrationen einstecken müssen. Vor allem aber, glaube ich, haben wir es geschafft, die ankommenden Asylbewerber wirklich Willkommen zu heißen und ihnen den Start und auch den Verbleib in Geltendorf zu erleichtern. Und wir bemühen uns darum, dass das Thema in der Gemeinde stets präsent bleib.
Vielen ist der neue Holzzaun anstelle des unwohnlichen Bauzauns positiv aufgefallen – einer der Versuche, den Container etwas wohnlicher zu gestalten. Auch im Heuweg wurden bauliche Fortschritte erreicht, denn bereits im Sommer wurde ein frei zugänglicher Teich auf dem Nachbargrundstück endlich eingezäunt – angesichts der vier kleinen Kinder, die im Heuweg leben eine große Erleichterung!
Bei der hauptamtlichen Betreuung stand uns im September wieder ein Wechsel ins Haus: Larissa Lehmann, die sich bisher um unsere Unterkünfte gekümmert hat, beendete ihre Arbeit und stattdessen ist nun Wolfgang Denhardt unser „Kümmerer“.
Wir freuen uns sehr, dass die Gemeinde Geltendorf eine Wohnung an einen syrischen Flüchtling vermietet hat.
Zwei der drei Syrer, von denen ich letztes Mal berichtet habe, haben endlich ihre Anerkennung bekommen!
Seit diesem Jahr gilt die sogenannte Wohnsitzauflage – auch Personen, deren Asylgesuch anerkannt wurde, dürfen nur innerhalb Bayerns umziehen. Es sei denn, sie können an dem Ort, an den sie ziehen wollen, eine geregelte Arbeit von mindestens 15 Stunden nachweisen und sind nicht von Sozialhilfe abhängig. Personen, die noch keine Anerkennung haben, müssen sowieso dort bleiben, wo sie zugeteilt wurden. Deutschland ist übrigens das einzige Land, das so weitreichende Auflagen erteilt…
Gegenwart
Inzwischen leben über 60 anerkannte Flüchtlinge in den beiden Unterkünften in Geltendorf. Nach wie vor wurden nach Geltendorf ausschließlich Syrer und Afghanen verlegt. Das hilft schon mal viel, um Konflikte zu vermeiden. Dennoch ist es nicht einfach, über so viele Monate hinweg auf so engen Raum zu leben und das Zusammenleben verläuft nicht immer reibungslos. Leider musste auch schon die Polizei eingeschaltet werden, um einzugreifen. Dies geschieht Gott sei Dank sehr selten, aber wir sind über jeden Fall immer wieder erschrocken. Die Begleiter können Konflikte durch ihre häufige Anwesenheit und Gespräche oft schon im Voraus entspannen und Veranstaltungen wie das Café der Kulturen (jeden Freitag ab 19.00 Uhr, Neugierige willkommen!) bieten etwas Abwechslung. Denjenigen, die eine Arbeit gefunden haben, gelingt es, eine Tagesstruktur aufzubauen und die Gedanken kreisen nicht mehr nur um die unmittelbare Gegenwart, bei der jeder Konflikt hochkocht. Arbeit und Deutschkurse sind daher immer noch die vielleicht wichtigsten Bausteine zur Integration.
Die allermeisten Syrer besuchen inzwischen offizielle Integrationskurse und werden weiterhin von unseren ehrenamtlichen Deutschlehrern bei Fragen und beim Üben unterstützt. Viele Fenster und Wände sind mit bunten Post-Its zum Vokabellernen tapeziert. A1 oder B1? Diese Buchstaben, die das Level des bestandenen Sprachkurses anzeigen, sind entscheidend für die Zukunftsplanung. Denn für ein Studium benötigt man mindestens B2, für eine Ausbildung A2. Für die afghanischen Männer sieht es noch deutlich schwieriger aus. Denn sie dürfen noch keine Integrationskurse besuchen, solange sie nicht anerkannt sind und die Chancen für eine Anerkennung stehen leider nicht besonders gut. Zwei Männer haben bereits eine Ablehnung ihres Asylantrags erhalten – sie haben dagegen Klage eingereicht aber der Ausgang bleibt ungewiss. Ein weiterer Mann soll nach Bulgarien abgeschoben werden. Das heißt für den Helferkreis auch, dass wir uns mit dem Thema Abschiebung auseinandersetzen müssen.
Ausblick
Der AK Öffentlichkeitsarbeit plant im Januar eine Ausstellung zum Thema Flucht und Fluchtursachen. Die von Pro Asyl entworfenen Plakate mit dem Titel „Asyl ist Menschenrecht“ werden vom 6.01.2017 bis 22.01.2017 an den Wochenenden im Bürgerhaus zu sehen sein. Zudem strecken die Mitglieder des AKs schon ihre Fühler aus, um ein interessantes Rahmenprogramm zu gestalten – genauere Informationen was euch erwartet und wie ihr mithelfen könnt, bekommt ihr, sobald die Programmpunkte in trockenen Tüchern sind!
Am 09.12.2016 kommt der Nikolaus wieder ins Café der Kulturen. Vielleicht ja ein guter Anlass, um ebenfalls mal vorbeizuschauen?
Nachdem es schon wieder sehr auf Weihnachten zugeht, wünschen wir euch und uns allen eine friedliche Zeit!

vhe