Infobrief vom Helferkreis – Juni

Manchmal erinnert die Arbeit des Helferkreises glatt an das vergangene Aprilwetter: man weiß nie so genau, ob einen Sonne, Regen oder sogar Schnee erwartet, sicher ist nur, dass alles immer wieder vorkommt.

Die sonnigen Seiten
Fast alle in Geltendorf lebenden Syrer haben nun einen mindestens einjährigen Schutz erhalten. Gelegentlich gibt es sogar noch eine dreijährige Anerkennung, doch diese Fälle werden seltener. Alle Anerkannten sind in Integrationskursen untergebracht und wer ab und zu in einer der Unterkünfte oder im Café ist, wird feststellen, dass man sich häufig fließend auf Deutsch unterhalten kann. Eine ganze Reihe junger Männer besucht bereits einen B2 Kurs oder einen von der Universität gesteuerten Sprachkurs, der auf die Zulassung zu einem Studium hinarbeitet – und das mit großem Erfolg! Die ersten Grundsteine hierfür wurden in den ehrenamtlichen Sprachkursen gelegt und es ist schön zu sehen, dass sich die Mühe damals gelohnt hat!

Insgesamt gibt es inzwischen ca. 20 Leute, die eine Arbeit gefunden haben (einschließlich geringfügiger Beschäftigungen), einige haben feste Zusagen für Ausbildungsplätze ab September. Regelmäßig wird inzwischen ein Jobcoaching angeboten, das Interessierten beim Verfassen ihres Lebenslaufs unterstützt. Und immer wieder gelingt auch ein Auszug in eine eigene Wohnung – im Moment meist nach München.

Worüber wir ebenfalls sehr froh sind, ist die gute Versorgung der Kinder und Jugendlichen, die hier leben. Alle syrischen und afghanischen Kinder gehen in den Kindergarten oder in die Schule und die Begleiterinnen unterstützen die Eltern darin, auch zum Elternabend zu gehen. Auch hier sieht man immer wieder, wie sich der ehrenamtliche Einsatz lohnt, etwa wenn eine der syrischen Mütter nachfragt, ob sie ihrem Sohn einen Kuchen zum Geburtstagfeiern mit in den Kindergarten geben soll, ob das in Deutschland so üblich sei. Über die neue Patenidee des Musikvereins ist es gelungen, einer syrischen Jugendlichen Geigenunterricht zu ermöglichen und dass die afghanischen Jungs im entsprechenden Alter im Fußballverein sind, versteht sich von selbst.

Im Mai fand eine Essenseinladung der Männer aus dem Container an die Geltendorfer Feuerwehr statt, als Entschuldigung und Danke für die immer wieder anfallenden Einsätze im Container, wenn einer der Brandmelder mal wieder losgegangen ist. Wie man hört, war es ein sehr netter und leckerer Abend!

Schnee und Regen …
Eigentlich fast immer, wenn man an die Familienzusammenführung denkt oder daran arbeitet und feststellt, dass die Botschaften es den Leuten unnötig schwermachen.

So gibt es Frauen und kleine Kinder, die schon wochen- und monatelang im Libanon leben und auf einen Termin auf der Botschaft warten und im letzten Moment wird ein Dokument nicht anerkannt. Oder die Frauen, die gar keinen Pass bekommen können, weil sie in einem vom IS-besetzten Gebiet leben und die Pässe von dort nicht anerkannt werden. Eine Chance auf einen syrischen Pass gibt es aber nicht, weil sie das Gebiet nicht verlassen können, ohne in Lebensgefahr zu geraten.
Oder wenn man die aktuelle Abschiebungspolitik der Bundesregierung hinsichtlich der Afghanen erlebt und hier insbesondere Bayern. Auch alle afghanischen Männer in Geltendorf wurden abgelehnt, bisher hat nur eine Familie Bleiberecht aus humanitären Gründen erhalten. Die Widerspruchsklagen laufen, die Angst vor einer Abschiebung besteht trotzdem weiter.

Es herrscht weiterhin eklatanter Mangel an Wohnplatz. Hinzu kommt, dass nun die ersten finanziellen Forderungen an die Anerkannten gestellt werden, die in der Unterkunft wohnen. Miete und Strom werden ab sofort und auch rückwirkend berechnet – 300 Euro monatlich für ein Bett im Doppelzimmer und den Strom. Die Miete wird vom Jobcenter übernommen, der Strom muss selbst bezahlt werden. Aufwändig und daher ärgerlich ist dabei nicht die Tatsache, dass die Leute für Strom bezahlen müssen, sondern der ungeheure bürokratische Aufwand, der dahintersteckt und von den Begleiterinnen abgefangen werden muss.

Schließlich gibt es noch einige Wechsel, deren Bekanntgabe in einem Newsletter natürlich nicht fehlen dürfen:

  • Schon seit Januar sind zwei neue Außendienstmitarbeiter für Geltendorf zuständig, Robert Hübner und Manfred Weißgerber.
  • In den letzten beiden Monaten gab es wieder einige Neuzugänge im Container. Erstmals begrüßten wir auch pakistanische und eritreische Landsleute in Geltendorf und wünschen ihnen einen guten Start.
  • Wir erinnern noch einmal an die geänderten Öffnungszeiten im Café der Kulturen. Das nächste Café findet am 23.6.2017 von 19.00 bis 22.00 Uhr statt. Da der Termin im Ramadan liegt, ist ein gemeinsames Essen nach Sonnenuntergang geplant.

Leider dauert es im Moment immer ein wenig länger, bis ein neuer Newsletter rauskommt. Ich hoffe, ihr verzeiht mir das und fragt bei Bedarf einfach direkt nach, sei es über die Helferkreisadresse helferkreis@asyl-geltendorf.de oder direkt bei allen Aktiven! Vielen Dank.

vhe