Infobrief vom Helferkreis – August

Nun hat es längere Zeit keinen Newsletter gegeben – geschehen ist dennoch viel in dieser Zeit und so möchten wir wieder einmal berichten. Nachdem die Welt gerade von Anschlägen mit und ohne terroristischen Hintergrund erschüttert wird, sind wir sehr froh, dass es in Geltendorf überwiegend friedlich zugeht.
Ein schönes Beispiel für ein friedliches Zusammensein war das Zuckerfest Anfang Juli, zu dem nicht nur die meisten Flüchtlinge, sondern auch sehr viele Geltendorfer kamen! Bei schönstem Wetter ergab sich eine bunte Mischung in und vor dem Bürgerhaus und alles in allem blicken wir auf ein gelungenes Fest zurück. Besonders gefreut hat uns, dass wir diesmal nicht „unter uns“ blieben, sondern einige Bürger und Bürgerinnen das erste Mal den Weg zu einer Veranstaltung des Helferkreises gefunden haben.
Bis gestern gab es in Geltendorf drei Unterkünfte, zwei in Geltendorf und eine in Kaltenberg. Gestern wurden die in Kaltenberg lebenden Syrer jedoch für alle völlig überraschend innerhalb eines Tages vom Landratsamt in einen anderen Ort im Landkreis verlegt. Wir sind über diese Tatsache und die Vorgehensweise des Landratsamtes sehr bestürzt. Somit werden aktuell noch die zwei Unterkünfte in Geltendorf vom Helferkreis betreut.
Das Warten auf die Anerkennung beschäftigt viele der Asylbewerber Tag und Nacht. Noch immer haben drei der Syrer, die bereits im Februar 2015 zu uns kamen keine Bescheide – ein Zustand, der sie und uns zermürbt. Gott sei Dank gibt es andererseits für die „Neuen“ relativ viele Anerkennungen und für diejenigen steigt die Hoffnung, ihre Familien aus den umkämpften Gebieten nachzuholen. Bis vor ein paar Monaten bekamen syrische Flüchtlinge automatisch eine 3-jährige Anerkennung. Dies hat sich mit der neuen Gesetzgebung geändert und viele bekommen im Moment nur noch einen 1-jährigen sogenannten subsidiären Schutz. Dies bedeutet unter anderem, dass die Familien zunächst nicht nachgeholt werden können. Deutlich schwieriger ist die Anerkennung für die afghanischen Flüchtlinge – hier hat bisher leider noch keiner eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen…
In diesem Zusammenhang macht sich die Wohnungsnot besonders bemerkbar: anerkannte Asylbewerber dürfen und sollen eigentlich aus den Unterkünften ausziehen, eine Wohnung zu finden gleicht jedoch der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen! Insgesamt leben über 30 Personen, die eigentlich ausziehen könnten weiterhin in den Unterkünften, weil einfach nichts zu finden ist. Keine einzige Wohnung konnte auf dem offiziellen Wohnungsmarkt angemietet werden, da viele Wohnungsbesitzer einer Vermietung an Flüchtlinge skeptisch gegenüberstehen. Alle erfolgreichen Vermittlungen waren möglich, weil die Vermieter selbst im Helferkreis sind oder jemand von uns sie kannte… Daher die dringende Bitte: wenn ihr jemanden wisst, der eine Wohnung zu vermieten hat, sprecht ihn an, ob er bereit ist, an Flüchtlinge zu vermieten! Die Miete kommt vom Jobcenter und ist gesichert, gezahlt werden die ortsüblichen Preise.
Weiterhin spielen die Deutschkurse und die Beschaffung von Arbeit eine wichtige Rolle. Immer wieder gelingt es erfolgreich, dem einen oder anderen eine Stelle zu vermitteln und viele Unterhaltungen können inzwischen auf Deutsch geführt werden. Gleichzeitig ist hier auf beiden Seiten auch viel Verständnis und manchmal Frustbekämpfung notwendig, etwa wenn ein Asylbewerber feststellt, dass ihm viel weniger Netto vom Brutto bleibt als zunächst angenommen oder wenn die Teilnehmer an den ehrenamtlichen Deutschkursen immer wieder unentschuldigt fehlen. Auch die Raumsituation für den Deutschunterricht ist weiter ungeklärt. 21 Personen sind inzwischen in offiziellen Integrationskursen untergebracht.
Ansonsten läuft das Projekt Außengestaltung des Containers an. Hierzu suchen wir dringend noch Leute, die Zeit, Wissen und Arbeit spenden können! Geplant sind zum Beispiel ein Zaun, der den Bauzaun ersetzt und zumindest teilweise die Befestigung des Kieses. Interessierte können sich gerne bei unserer Adresse orgateam@asyl-geltendorf.de melden. Die aktuellen Sachspendengesuche können wie immer der Homepage entnommen werden.
Da die Situation des Wartens und der Ungewissheit selbst nach der Anerkennung schwer auszuhalten ist, bietet der Helferkreis auch immer wieder Ausflüge an. So fanden ein Minigolftunier als Abschluss des Deutschkurses, der Besuch der Kaltenberger Asylbewerber bei den Ritterfestspielen oder ein Ausflug zum Garmischer Helferkreis mit kleiner Wanderung statt. Besonders freut es uns, dass wir es vier Flüchtlingskindern dank Spenden anderer Organisationen und einer Schulklasse aus St. Ottilien ermöglichen konnten, an der Hans-Dorfner-Fußballschule teilzunehmen! Dafür vielen Dank!!
Übrigens: auch wenn man hier viel von Spenden liest, ein angemessener Eigenanteil wird selbstverständlich immer berechnet. Und manchmal geht der Spendenweg sogar in die „andere“ Richtung: der katholische Frauenbund in Geltendorf näht gerade Taschen um einen Beitrag zur Renovierung des Pfarrheimes zu leisten und wird von einem syrischen Schneider dabei tatkräftig unterstützt!
Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns unterstützen durch Zeit, Arbeit, Wohlwollen, Geld- und Sachspenden – ohne sie wäre die Arbeit des Helferkreises gar nicht möglich!
Noch eine Anmerkung zum Schluss: Das Café der Kulturen macht vom 29.7. bis einschließlich 16.9.2016 Sommerpause – im Herbst freuen wir uns wieder über alle, die vorbeischauen!
Soweit für dieses Mal. Im Herbst folgen hoffentlich die nächsten Neuigkeiten

vhe